Bericht über den 2. Qualitätszirkel Palliativmedizin Thüringen am 20.11.2013 in Erfurt

Thema | Ärztliche Entscheidungsfindung bei lebenslimitierender Erkrankung

Kursleiterin | Frau Dr. Christina Müller

Referent | Professor Dr. Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen u. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin


 

In seinem Vortrag stellte Herr Prof. Dr. Nauck sehr anschaulich die oft schwierige Entscheidungsfindung zwischen Patientenwillen und medizinischer Indikation am Lebensende dar. Eine Hilfe können die Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung von 2011 sein.

 

An Fallbeispielen wurde gezeigt, dass eine Patientenverfügung die Therapieentscheidung nie allein bestimmen darf. Sie muss aktiv hinterfragt werden, wenn der Patient sich dazu äußern kann. Patientenvertreter geraten hier oft an ihre Grenzen und sind erheblichen Belastungen ausgesetzt. Der Dialog mit Angehörigen auf Augenhöhe ist wichtig.

Selbst wenn der Patient seine Entscheidung schriftlich fixiert hat, ist in der jeweiligen Situation der mutmaßliche Wille des Patienten kritisch zu evaluieren und im Team zu diskutieren. 

 

Erfahrungen von Organisationen wie der Charta zur Betreuung Schwerstkranker und sterbender Menschen oder Advance Care Planning sowie Palliative Care in Communitykönnen hier hilfreich sein. 

 

Mit der Frage: Kann der Arzt den Inhalt der Patientenverfügung auslegen? übergab Herr Professor Nauck an die Medizinjuristin Frau Dr. Memm, die die juristischen Hintergründe der Entscheidungsfindung erläuterte.

 

Die anschließende Diskussion zeigte auch Probleme der Beurteilung von Entscheidungen bei Patienten mit kognitiven Defiziten oder psychiatrischen Krankheitsbildern auf. Ambulant tätige Kollegen wiesen auf Kontaktschwierigkeiten zu einer Ethikkommission hin, deren Hilfe sie sich oft wünschten.

 

An diesem Qualitätszirkel nahmen Herr Dr. Lothar Iffert von der Palliativstation der Ilm-Kreis-Kliniken Arnstadt-Ilmenau und Frau Dr. Marion Brocke vom Förderverein der Palliativmedizin im Ilm-Kreis teil.

 

 

Text: Frau Dr. Marion Brocke, stellv. Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Palliativmedizin im Ilm-Kreis e.V.